Auf dem Mekong bis nach Laos

Der Mekong ist mit etwa 4.500 km Länge der längste Fluss Südostasiens. Wie für alle anderen Anrainerländer hat er auch für Kambodscha eine große wirtschaftliche Bedeutung. Wo Wasser ist, kann sich etwas entwickeln. Wo das ganze Jahr über Wasser zur Verfügung steht, kann sich mehr entwickeln. In einem anderen Beitrag hatte ich erläutert, dass sich der Wasserstand des Mekong sogar auf die Anwohner am Tonle-Sap-See auswirkt.

Am einem frühen Morgen holt mich ein Bootsführer mit seinem Boot von meiner Unterkunft ab und wir starten den Mekong aufwärts in Richtung zur Grenze nach Laos. Der Bootsführer ist älter und wirkt sehr erfahren. Wir haben zwar keine gemeinsame Sprache, aber er weckt sofort Vertrauen in mir. Am Abend werde ich feststellen, er hat das Vertrauen verdient.

Ich möchte mir vom Mekong ein längeres Stück genauer ansehen. Die Grenze ist noch 55 km entfernt. Das ist nicht viel von der Gesamtlänge des Mekong, aber viel für einen Tag.

Gefährliche Strudel

Der Fluss ist nicht schiffbar gemacht, sondern in seinem natürlichen Zustand belassen. Das heißt, der Bootsführer muss den Weg auf dem Fluss finden ohne aufzusetzen. Denn unter Wasser lauern tückische Felsen. Auch die vielen aus dem Wasser herausragenden Felsen gilt es zu umfahren. Immer wieder gibt es Abschnitte, in denen das Wasser sehr unruhig ist und Querströmungen auftreten. Der Bootsführer muss das Boot also ständig unter Kontrolle haben.

Zusätzlich schwierig finde ich, dass der Mekong von der laotischen Grenze bis hier in vielen Flussarmen verläuft. Wenn sich der Flusslauf teilt, muss der richtige Flussarm angesteuert werden. Ab und zu taucht ein Wegezeichen auf, an der sich die Bootsführer orientieren können und die vor einigen der gefährlichen Stellen warnen.

Ein Wegezeichen

Und die Fahrt ist auch deswegen schwierig, weil der Mekong wegen der schon länger anhaltenden Trockenzeit Niedrigwasser führt. Das auch, weil der Mekong in seinem Lauf bis hier viele Male aufgestaut wurde.

Man erkennt an den Baumkronen die Flussrichtung.

Ständig tuckert der Bootsmotor. Mithilfe des Motors kann der Bootsführer auf Einflüsse des Stromes sofort reagieren.

Wenn der Treibstoff aufgebraucht ist, muss nachgetankt werden. Das ergibt sich nur in ruhigen Flussabschnitten, und das ist gut so!

Ab und zu überholen uns und begegnen uns schmale Schnellboote. Deren Motore kreischen so laut, daß ich unseren Schiffsmotor nicht als störend empfinde. Ich genieße zumeist eine ruhige Fahrt.

Nach viereinhalb Stunden kommen wir an die Grenze von Laos. Es spielt scheinbar keine Rolle, ob das Boot mal kurz über die Grenze fährt und wieder zurück nach Kambodscha kommt.

Die Brücke im Hintergrund liegt in Laos.

Das Ziel der Reise sind die Mekongwasserfälle, die zugleich die Grenze nach Laos bilden. Wegen des Niedrigwassers ist die Wassermenge nicht wirklich beeindruckend.

Aber die kilometerbreite Felslandschaft der Wasserfälle ist einzigartig.

Beim Mittagessen erschrecke ich wohl durch meinen fremdartiges Aussehen ein kleines Kind.

Eine Touristenattraktion auf dem Mekong sind die Süßwasserdelfine, die es noch in geringer Zahl gibt. Um diese zu Gesicht zu bekommen fahren die Bootsführer mitten auf den Fluss und stellen den Motor ab. Dann heißt es abwarten und gut aufpassen. Mein Bootsführer macht mich auf Stellen aufmerksam, an denen gerade Delfine auftauchen. Ich habe das Glück, dass 15 Meter neben mir kurz nacheinander zwei Delfine auftauchen, atmen und wieder abtauchen. Ich sehe ihren Rücken und höre das Atemgeräusch. Dann ist wieder Stille.

In diesem Flussabschnitt kann man die Delfine beobachten. Im Hintergrund sieht man eine Baustelle. Dort staut Laos einen Seitenarm das Mekong auf, um Strom zu erzeugen. Das ist den Kambodschanern natürlich ein Dorn im Auge.

Die Rückfahrt verläuft schneller, weil es flussabwärts geht. Nach drei Stunden bin ich kurz vor Sonnenuntergang am Ausgangsort angekommen.

Dieses Bild drückt aus, was ich an der Bootsfahrt genossen habe. Abgesehen von den Wegezeichen und der einen oder anderen Hütte am Ufer ist diese Flussabschnitt pure Natur.

Ruhe, Strömung, Felsen, Ufer, Sandstrände, Vögel, Fische, Sonne, Licht, Wärme, Farben…. Ich bin froh über diese Erfahrungen.