Nachts im Nationalpark

Ich habe für drei Tage und zwei Nächte eine geführte Wanderung in den Virachay Nationalpark gebucht. Dafür muss man die wichtigsten Sachen im Rucksack mitnehmen, unter anderem vier Liter Wasser für die ersten Stunden und einer Hängematte. Da kommt insgesamt einiges an Gewicht zusammen. Zwei Führer begleiten mich. Der eine Führer soll mit mir kommunizieren können, der andere hat die Ortskenntnis.

Zunächst geht es von Bandung aus zwei Stunden Richtung Norden. Der Weg führt zum größten Teil über unbefestigte Straßen.

Kommt Dir hier ein Lastwagen entgegen, siehst Du zunächst nichts mehr. Der rötliche Staub findet sich nachher an allen Oberflächen von Kleidung und Rucksack wieder.

Am ersten Tag wandern wir drei Stunden, zunächst durch eine offene Fläche (das heißt in der prallen Sonne, im Schatten wären es „nur“ 36 Grad), später durch den schattigen Urwald, durchwaten einen kleinen Fluss und kommen zwei Stunden vor Sonnenuntergang am geplanten Rastplatz an. Das schwere Gepäck wird nach und nach leichter, je mehr ich getrunken habe. An jedem Morgen werden die Flaschen wieder aufgefüllt, und zwar mit frischem, mit Baumrinde zubereitetem Tee.

Die beiden Führer

Der Urwald und die Wege durch den Urwald kann ich in Bildern schlecht wiedergeben. Ich habe ja wiederholt erwähnt, es ist Trockenzeit. So ist es auch im Urwald trocken. Es liegt viel Laub auf dem Boden. Trockenes Laub ist glatt und erschwert immer wieder das sichere Auftreten, vor allem, wenn’s bergab geht.

Hier herrscht der Bambus vor.

Der Urwald besteht zumeist aus Mischwald. Manchmal hat sich der Bambus durchgesetzt, manchmal sind es andere Gehölze.

Einer der Urwaldriesenbäume, hier am Fuß …
… und hier Richtung Krone.

Ich sehe Stellen, die mir mit meinem europäischen Blick nicht gefallen: Gefällte Urwaldriesen, Brandrodung und Umwandlung von Urwald in Nutzfläche. Die Brandrodung verstehe ich aber als eine traditionelle Form der hiesigen Landwirtschaft.

Der Rastplatz liegt an einem Bach. Er ist unterhalb von hier aufgestaut, so dass man darin baden kann. Sehr erfrischend!

Das Essen wird am Bach vorbereitet und auf einem Lagerfeuer gekocht. Ein Teil des Essens (Schweinefleisch mit Gemüse) wird im Bambusrohr gekocht. Das hier gekochte Essen schmeckt mir gut.

Immer wieder Bambus: Wächst unbegrenzt im Urwald und wird für viele Zwecke eingesetzt.

Floßbau

Mit dem Floß fahren wir am zweiten Tag ein längeres Stück flussabwärts.

Löskaffee kann man gut aus einem Bambusbecher trinken.

Der Becher wird morgens frisch hergestellt.

Ehrlich: Der Kaffee ist der einzige Luxus in der Wildnis, auf das angebotene Schlückchen Reiswein verzichte ich.

Zu jeder Mahlzeit gibt es Reis. Nach dem 6. Mal möchte ich dann doch etwas mit Nudeln essen. Das ist möglich, weil wir auf der Rückfahrt für den Mittagsimbiss in einer Ortschaft einkehren. Aber zunächst noch zur ersten Nacht.

Mein Schlafplatz

Für mich eine neue Erfahrung. Und ich komme unerwarteter Weise tatsächlich zum Schlafen. Zunächst aber freue ich mich, dass senkrecht über mir der Mond durch das Laubwerk leuchtet. Später sind es viele Sterne. Hier stört kein Licht der Zivilisation.

Hingegen sind die Geräusche nachts und auch am Tage nicht sehr vielseitig. Das „Orchester“ besteht nur aus wenigen „Musikanten“. Frösche, Gibbons und immer wieder Geckos. Ich lerne, dass der Gecko immer wieder seinen Namen ruft und daran erkannt wird. Zu Sehen bekommen wir keines der Tiere.

Für die zweite Nacht steuern wir einen Bauernhof an. Hier wohnt eine größere Familie. Diese Menschen wie auch alle anderen Menschen, die in dieser Gegend leben, gehören ethnischen Minderheiten an und haben eigene Bräuche. Meine beiden Führer gehören selbst zwei dieser Minderheiten an. Die Angehörigen verschiedener Minderheiten verständigen sich in khmer, denn jede Minderheiten hat ihre eigene Sprache.

Ein Blick in die Bauernküche

Die hier lebenden Menschen beeindrucken mich. Sie versuchen, zwischen Tradition und Moderne ihren Platz zu behalten. Fleißig wird morgens und abends der Bauerngarten gewässert.

Am letzten Tag kommen wir noch zu einem Aussichtspunkt mit freien Blick Richtung Laos und Vietnam.

Beim Mittagsimbiss (wohl gesagt: für mich ohne Reis) fällt mir ein kleiner Junge auf, der in der Straßenküche auf einem Tisch thront.

Die drei Tage sind für mich körperlich teilweise sehr herausfordernd. Ich bin sehr beeindruckt und erlebe viel. Im Vorfeld habe ich viel darüber nachgedacht wie es ist, wenn man auf das angewiesen ist, was man selbst mitbringt oder vor Ort vorfindet. Es ereignet sich nichts Schlimmes.

Auf zwei zunächst fremde Menschen angewiesen zu sein und so eng mit ihnen die Zeit zu verbringen, gelingt mir besser, als ich erwartet habe. Zwar enttäuschen mich die Englischkenntnisse des dafür verantwortlichen Führers (übrigens eine häufig gemachte Erfahrung in SO-Asien), aber zwischen uns Dreien ist um Laufe der Tage ein gutes Band entstanden.