An sich ist es nicht gerecht, die Überschrift so zu wählen, aber das Thema steht auch hier im Vordergrund. Bereits beim Besteigen des Flugzeuges in Frankfurt fallen mir die Masken auf, die das gesamte Bordpersonal trägt. Am Flughafen in Saigon das Gleiche: Grenzkontrolle mit einem maskierten Grenzer, ich dabei selbstverständlich unmaskiert. Ab dann unterscheidet sich das Bild: Personen, die beruflich mit Menschen in Kontakt treten, wie Bedienungskräfte in Kaufhäusern und Gaststätten, tragen Maske, anderen tragen eine oder auch nicht. Die Dame am Flughafen in Saigon, die mir eine SIM-Karte verkauft und ins Smartphone einsetzt, gib mir zum Schluss noch schnell eine Maske. Ich kam mir irgendwie nackt vor…
Ich habe mich danach bald daran gewöhnt. Schade finde ich, dass man nur einen kleinen Teil des Gesichtes vom Gegenüber sieht und dass Emotionen nicht oder nur eingeschränkt zum Ausdruck kommen. Und umgekehrt mein Gesicht, wenn davon nur zum Teil zu sehen ist. Die Kommunikation ist anders.
So, genug von dem Thema. Ich bin jedenfalls gut in Vietnam angekommen. Nur die 6 Stunden Zeitunterschied hat mein Körper noch nicht übernommen. Die Unterkunft hier kenne ich von der letzten Reise und bin wieder zufrieden damit. Saigon selbst ist eine tolle Stadt mit interessanten Stellen und lebhaften Menschen. Auch stark befahrene Hauptstraße habe ich schadlos überquert.
Am Freitag habe ich mein sogenanntes Patenkind besucht. Es lebt mit seiner Familie in einem Gebiet am Rande von Saigon und wird unterstützt durch worldvision Deutschland. Zum Klarstellen: Ich fördere dieses Kind im Rahmen der Förderung des Projektes, also nicht genau diese Familie. Auch hier: höchste Vorsicht im Umgang und das unter staatlicher Aufsicht. Mehrere staatliche Instanzen waren bei der Begegnung vertreten (wenn ich das richtig verstanden habe bis hoch zur Provinzverwaltung), übrigens ausschließlich durch Frauen. Nur für zwei Fotos habe ich das Gesicht meines Patenkindes vollständig gesehen. Ich finde es gut, wenn der vietnamesische Staat die Kinder besonders ernsthaft schützt. „Mein Kind“ sowie sein Vater und ich haben uns sehr gefreut über die Begegnung und uns mithilfe der Managerin von worldvision gut unterhalten. Mit dieser Frau habe ich noch anschließend Zeit gehabt, ein gutes Gespräch zu führen zwischen Menschen, die in sehr verschiedenen Verhältnissen Leben.
Gestern traf ich eine Bekannte, die ich vor zwei Jahren in Saigon kennengelernt habe. Sie stammt aus Indonesien und lebt seit langer Zeit in Saigon. Ana ist soweit versorgt, aber durch die schlimmen Verhältnisse in Indonesien, z. B. durch Unwetter, sieht sie sich gezwungen, ihre dortigen Angehörigen zu unterstützen. Das mindert zwangsläufig ihren Lebensstandard. Ihre Tochter wollte in Deutschland (und zwar war das in Köln- Kalk geplant) ein Praktikum oder eine Ausbildung im Pflegebereich machen, wurde aber an der Grenze bei der Einreise zurückgewiesen, warum ist beiden unklar, mir ebenso.
Heute gings für mich von Saigon ins Mekongdelta. Ich habe es geschafft, mit öffentlichen Verkehrsmitteln hier rüber zu reisen. Das heißt: Zwei Stadtbusse in Saigon und ein Überlandbus nach Ben Tre (85 km, alle Bustickets zusammen für einen Wert von unter 3 Euro). Manchmal muss ich fragen. Der Busbahnhof im Süden von Saigon ist übrigens bestens organisiert.
Welch ein Unterschied: Saigon laut und voll. Mir fällt sofort auf, wie still es hier am Mekong auf den Straßen ist. In der Nähe von Ben Tre habe ich für drei Nächte einen ruhigen Platz inmitten von Natur und Landwirtschaft gefunden.